Ehe mit Pankow
Bis zu letzt...
werde ich Euch hören, auch wenn's nur noch aus der Konserve ist...
Es war im Herbst ´82 als mir plötzlich in unserer miefigen Soldatenstube während des so genannten Grundwehrdienstes aus dem alten Sternradio ein Song entgegen dröhnte, ja förmlich schepperte: "Werkstattliebe"! Ich (Jahrgang `59) dachte, was is` das dann?!? Wie Phönix aus der musikalischen DDR-Asche stieg diese Musik aus dem politisch naiven und schwülstigen Texteinheitsbrei empor und die rotzig-freche Art, rockig verpackt aus diesem Zwangshörsender bei der Fahne, packte mich sofort. Nach den jahrelangen Hörgewohnheiten via Westsender, die internationalen Bands zu verkonsumieren, nun plötzlich eine regionale realistische Musik, mit der ich mich nebst vielen anderen identifizieren konnte. Dazu noch witzig pointiert (" Der ABV mit seiner Frau"), lief die KILLE KILLE-Scheibe bei mir rauf und runter.
Und erst live ging's mit Euch richtig ab! Ob im Babylon (mein erstes Mal), Colosseum, Plänterwald oder Weißensee, es war immer ein Erlebnis!!! Die Alben wurden von Mal zu Mal besser und immer nah am Alltag der Leute. Für mich als Ost-Berliner immer aktuell ("Diese Weltstadt ist ein kleines Kaff")
Schwierige Zeit als Fan dann nach der Wende: PANKOW als "VIERERPACK" ohne André (der sich im fernen NEW YORK verwirklichte) und in einem Festplatzzelt in Hellersdorf mit amerikanischem Gastsänger. Nach einer Osang-Lesung im selben Bezirk, meine Frage, warum er nicht mal über PANKOW schreibt? Seine Antwort, er schreibt nicht über Freunde! Etwas später dann doch groß in der Berliner Zeitung, nur ganz anders als jemals gedacht!
Dann die große Erlösung! Konzert im Tränenpalast und feierlich kündigt Jürgen Ehle den Heimkehrer am Mikro an! Erleichterung, Freude, Applaus... Nun war - für uns jedenfalls - wieder alles beim Alten: CD`s, Konzerte, dazu noch Soloprojekten von André Herzberg, die auch toll waren und weiterhin sind! Jürgen Ehle, der überall prominent "mitmischt”, Kulle und Stefan...
Erinnern kann ich mich an eines der ersten Solo-Konzerte von André in Hellersdorf, zu dem leider nur 12 bis 15 Leute waren, aber ich mit ihm ein "Berliner" zischen konnte und danach noch das Equipment mit herunter trug 🙂. Heute kannst Du bestimmt darüber milde lächeln!
Eure Musik war - fast eheähnlich - immer ein treuer Begleiter, in guten wie in schlechten Zeiten. Ihr habt uns vor und nach der Wende viel gegeben und wir gaben es Euch bei den Konzerten zurück! Nun lasst es am 12. Juli 2025 nochmal richtig krachen, lasst Euch feiern und seid stolz auf Eure 44 Jahre! Ich bin es, auch wenn "Komm Karlineken komm, wir woll'n zu Pankow jehn" zum letzten Mal live erklingen wird, aber LANGEWEILE wie Eurer großer Song heißt, gab es bei Euch nie...
Alles erdenklich Gute für alle und rock on!
Herzliche Grüße aus Kaulsdorf-Süd
Der Alt-Pankower (1960 - 1971)
B.