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PANKOW - Verbotene Platten im Tal der Ahnungslosen (1983) | PANKOW Stories

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FANGESCHICHTE

Verbotene Platten im Tal der Ahnungslosen

Ich grüße alle Mitglieder der Band Pankow sowie alle, die im Hintergrund für die Band im Einsatz gewesen sind und noch immer sind. Meine Name ist O.H. und ich wurde im Tal der Ahnungslosen im Jahr 1958 geboren und lebe noch immer in Elbflorenz Dresden.

Hier nun meine Musikstory Nr. 1


Schon mit 13 Jahren lauschte ich meist nachts über Kurzwelle (mit pfeifenden und kratzenden Störgeräuschen) auf einem kleinen Kofferradio Namens "Stern Sport" die Hitparade von Radio Luxemburg. Die Rolling Stones und CCR schlugen in meinen bis dahin noch nicht gefestigten Musikgeschmack bei mir ein wie ein Bombe. Damit gestaltete sich auch mein Musikgeschmack in der so langsam durchringenden Rock 'n Roll Musik in die DDR in eine ganz besondere Richtung. Bluesmusik das wars. Stefan Diestelmann war mein absoluter Favorit. Nebenbei war ich in der DDR Rock Szene auf der Suche nach der etwas anderen Gangart wie Karat oder die Puhdys.

Mein langjähriger Kumpel kam gerade aus Angola zurück wo er als Ausbilder für KFZ-Schlosser tätig war, ausgestattet mit einem begrenzten Kaufkonto in den einschlägigen Intershops der DDR. Er kaufte sich eine von uns allen bestaunte JVC Hifi-Anlage mit riesigen Boxen. Darauf liefen die ersten LPs von Pankow. Mein Kumpel meinte immer, Du musst sehen wie der Jürgen Ehle im Stechschritt mit irren Gitarrenriffs spielend über die Bühne schreitet. Der André Herzberg hat mal eine ganz andere und auch etwas außergewöhnliche Stimmlage. Für uns waren neben den Rolling Stones aus Großbritannien die Stones des Ostens geboren. Texte die rockiger und angriffslustiger nicht sein konnten.

Später als super verdienender Dachdecker hatte ich das Glück in einem geheimen und von der Stasi nie entdeckten Schallplattenhändlerring als Trittbrettfahrer mitzuwirken. So habe ich damals schon viele der Original Stones Schallplatten erwerben können. Preis pro LP um die 200 Ostmark, das Doppelalbum um die 500 Ostmark. So stehen noch immer unzählige Stones-Schallplatten zusammen mit sämtlichen Pankow Schallplatten in meinem Musikschrank.

Im Tal der Ahnungslosen im Stadtteil Strießen (Willst Du Dein Leben genießen, nimm Dein Bett und ziehe nach Strießen) war nun kein Tal der Ahnungslosen mehr, es bildete sich eine immer größer werdende zum Teil auch illegale Fangemeinde der Rockmusik von Pankow und den Rolling Stones. Als meine Mutti als Rentnerin unseren Onkel erstmals in Westberlin besuchen durfte, schmuggelte sie für mich gleich mal mein 1. Rolling Stones Buch von Philip Norman durch die Grenzkontrolle. Das Buch ging natürlich in unserer Pankow/Rolling Stones Clique von Hand zu Hand.

Meine Musikstory Nr. 2


Da sich auch im Tal der Ahnungslosen eine immer größer werdende Rolling Stones Fan Gemeinde entwickelte, gab es auch immer mehr kleinere Bands die, die RollingStones coverten. Ja schade lieber André Herzberg dass es bisher leider noch keine größere Band aus dem englisch sprachigen Raum geschafft hat, mal einen Pankow Song zu covern, leider? Dabei seid Ihr zumindest für mich ganz persönlich die Rolling Stones des Ostens.

Eine mir bis dahin unbekannte Cover Band war Bretthart und Sachs. So sprach es sich unter den eingefleischten Fans in ganz Dresden herum, dass Bretthart und Sachs in einem kleinen mit Sandststeinmauern abgegrenzten Privatgarten in Dresden Laubegast ein heimliches Konzert gibt. Schon der Einlass durch die Eingangstür eines unter Denkmalsschutz stehenden Hauses unweit der Elbe mit Durchgang zum Garten war abenteuerlich. Man fühlte sich unter sich, sicher war die Stasi irgendwo mit dabei. Aber es war ein grandioses Konzert, mit dem Schlagzeuger von Elektra, wir Stonesfans waren einfach nur glücklich endlich live unsere Musik hören zu können.

Doch mit fortschreitender Zeit und dem Titel Street Fighting Man kam Unruhe auf, es hieß rette sich wer kann das Grundstück ist von Polizei und Stasi umstellt. So brach abrupt die Musik ab, jeder versuchte sich dem Zugriff der Vopos und Stasi zu entziehen. Ich als klettergewandter Dachdecker schwang mich mühelos über eine 1,80m hohe Sandsteinmauer und zog meinen Kumpel hinterher. Wir verschwanden in Richtung Elbe und versteckten uns erstmal im Ufergebüsch. Als die Luft rein war schlichen wir uns, ohne ein öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen nach hause entlang der Elbe bis Blasewitz und schließlich nach Strießen. Was damals aus dem mutigen Grundstücksbesitzer und den Musikern um Bretthart und Sachs geworden ist, entzieht sich bis heute unserer Kenntnis.
So endete ein so friedlich beginnendes Cover Konzert und endete fast in einem politischen Chaos und Drama. Anbei sende ich Euch ein Foto von der damaligen sehr tiefsinnigen und super entworfenen Eintrittskarte für das heimliche Konzert mit. Diese hat einen Ehrenplatz in meiner Musikhistorie.
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1983

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